|
Noam Chomsky:
Wie unterscheiden Sie zwischen dem was Sie als US-Terrorismus ansehen, und dem al-Quaida Terrorismus am 11. September? Der eine ist staatlicher Terrorismus, der andere ist privater Terrorismus. Wie denken Sie, sollten beide Fälle behandelt werden? Nicaragua ging das Problem des Terrorismus auf genau die richtige Weise an. Es befolgte das internationale Gesetz und die Verträge, denen es verpflichtet war. Es sammelte Beweise, legte die Beweise dem höchsten existierenden Tribunal vor, dem Internationalen Gerichtshof, und erhielt ein Urteil das die Vereinigten Staaten natürlich mit Verachtung straften. Das Gericht rief die Vereinigten Staaten auf, das Verbrechen einzustellen und wesentliche Reparationszahlungen zu leisten. Die U.S. antworteten darauf, indem sie den Krieg unverzüglich eskalierten und neue Geldmittel zur Verfügung stellten. Tatsächlich gingen die offiziellen U.S.-Befehle zu einem noch extremeren Terrorismus über. Die Contra Streitkräfte wurden angehalten sogenannte »weiche Ziele« anzugreifen, also ungeschützte zivile Ziele, und den Kampf gegen die nicaraguanische Armee zu vermeiden. Das ging so weiter bis 1990. Nicaragua befolgte alle korrekten Prozeduren, konnte aber natürlich nichts erreichen, weil die U.S. sich einfach nicht an sie hielten. In diesem Fall war es nicht nötig eine polizeili-che Ermittlung durchzuführen. Die Fakten waren eindeutig. Und die al-Qaida? Im Falle eines Terrorismus
wie dem der al-Qaida ich nehme wie alle anderen an, dass al-Qaida
für den 11. September verantwortlich gewesen ist, oder irgendein
Netzwerk das ihnen sehr ähnelt ist die richtige Vorgehensweise
von anderen aufgezeigt worden. In der aktuellen Ausgabe von Foreign Affairs
gibt es zum Beispiel einen Artikel von einem prominenten anglo-amerikanischen
Militärhistoriker, Michael Howard, eine sehr konservative Persönlichkeit,
der die US-Politik und die Politik Großbritanniens sehr unterstützt. Glauben Sie, dass amerikanische Gewalt in einem Fall von Selbstverteidigung gerechtfertigt ist? Natürlich, jeder
hat das Recht sich selbst zu verteidigen. Das steht im Artikel 51 der
U.N. Charta. Es ist jedoch sehr schwierig solche Fälle zu finden.
Nicaragua, zum Beispiel, hatte das Recht, Gewalt zum Zwecke der Selbstverteidigung
einzusetzen. Das haben sie nicht getan, aber sie hätten das Recht
gehabt, weil sie unzweifelhaft angegriffen wurden.
|