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Robert Fisk:
Wie können die USA dieses tragische Volk bombardieren?
Das Problem ist, dass
Amerika eine eigene Version der Gerechtigkeit haben will, ein Konzept,
das in der Western- und Hollywood-Version des Zweiten Weltkrieges zu wurzeln
scheint. Präsident Bush spricht davon sie auszuräuchern, von
den alten Flugblättern, die einst Dodge City zierten: »Gesucht,
Tot oder Lebendig«. Tony Blair erzählt uns jetzt, dass wir
Amerika beistehen müssen, genauso wie uns Amerika im Zweiten Weltkrieg
beigestanden hat. Ja, es ist wahr, dass Amerika uns dabei geholfen hat,
Westeuropa zu befreien. Aber in beiden Weltkriegen zogen es die U.S.A.
vor, erst nach einer langen und im Fall des 2. Weltkrieges
sehr profitablen Periode der Neutralität einzugreifen. Verdienen
die Toten von Manhattan nichts Besseres als das? Es sind weniger als drei
Jahre, seitdem wir einen Angriff von 200 Cruise Missiles auf Irak gestartet
haben, weil es die UN Waffeninspekteure hinausgeworfen hatte. Zwecklos
zu sagen, dass nichts erreicht worden ist. Mehr Iraker wurden getötet,
und die UN Inspekteure kehrten nie in den Irak zurück, und die Sanktionen
gingen weiter, und irakische Kinder starben weiterhin. Keine Politik,
keine Perspektive. Taten, nicht Worte.
Und da stehen wir heute. Anstatt Afghanistan zu helfen, anstatt 10 Jahre
zuvor dem Land unsere Hilfe zufliessen zu lassen, seine Städte und
Kultur wiederaufzubauen und ein neues politisches Zentrum zu schaffen,
das über eine Stammeskultur hinausgegangen wäre, liessen wir
es in Stich. Sarajevo konnte wiedergebaut werden. Nicht Kabul. Eine Art
Demokratie konnte in Bosnien errichtet werden. Nicht in Afghanistan. Schulen
konnten in Tuzla und Travnik wiedereröffnet werden. Nicht in Jaladabad.
Als die Taliban kamen und alle Gegner beseitigten, Dieben die Arme abhackten
und untreue Frauen zu Tode steinigten, betrachteten die Vereinigten Staaten
diese schrecklichen Vorgänge als Kraft der Stabilität nach Jahren
der »Anarchie«.
Bushs Drohungen haben praktisch die Evakuierung aller westlicher Hilfskräfte
erzwungen. Jetzt schon sterben Afghaner aufgrund ihrer Abwesenheit. Die
Dürre und der Hunger töten weiterhin Millionen und ich
meine Millionen und täglich werden zwischen 20 bis 25 Afghaner
von den 10 Millionen Landminen zerrissen, die von den Russen zurückgelassen
worden sind. Selbstverständlich sind die Russen niemals zurückgegangen,
um die Minen aufzuräumen. Ich schätze diese B-52 Bomben werden
ein paar von ihnen hochgehenlassen. Aber das wird wahrscheinlich die einzige
humanitäre Hilfe sein, die wir dort für die nächste Zukunft
zu sehen kriegen werden. Man betrachte das erstaunlichste Bild dieser
ganzen letzten Woche. Pakistan hat seine Grenzen zu Afghanistan geschlossen.
Genauso der Iran. Die Afghaner sollen in ihrem Gefängnis bleiben.
Ausser sie schaffen es, sich durch Pakistan durchzuschlagen und an den
Strand von Frankreich oder den australischen Gewässern angespült
zu werden, oder durch den Tunnelkanal zu klettern, oder ein Flugzeug nach
Grossbritannien zu entführen, um sich dem Zorn unseres Innenministers
zu stellen. In welchem Fall sie zurückgeschickt werden müssten,
abgewiesen, Zugang verwehrt. Es ist eine wahrhaft schreckliche Ironie,
dass der einzige Mann, den wir aus Afghanistan zu empfangen interessiert
wären, der Mann ist, von dem man uns versichert, er sei der böse
Geist hinter dem grössten Massenmord der amerikanischen Geschichte:
bin Laden. Die anderen können zu Hause bleiben und sterben.
zurück
SF 73
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