Takis Fotopoulos:
Für eine Demokratische Globalisierung

Jeder redet heute über Globalisierung, aber nur wenige versuchen diesen Begriff zu definieren. Dies wäre aber wichtig, weil selbst in analytisch denkenden Köpfen erhebliche Verwirrung herrscht. Jeder versteht unter Globalisierung etwas anderes. Überwiegend wird nur die wirtschaftliche Globalisierung gesehen, die doch nur einen Aspekt oder eine Komponente – wenn auch die wichtigste – der Globalisierung darstellt. Man kann aber ausserdem von technischer, politischer, kultureller und sozialer Globalisierung sprechen. So bezieht sich die technische Globalisierung auf die Informatikrevolution und die neuen Kommunikationstechniken. Die politische Globalisierung ergibt sich aus dem Absterben des Nationalstaates (insoweit er seine ökonomische Souveränität eingebüßt hat). Die kulturelle Globalisierung äußert sich in der gegenwärtig ablaufenden Homogenisierung der Kultur, wenn beispielsweise in unserem „Globalen Dorf' praktisch jedermann dieselben Videos und TV-Serien anschaut, die gleichen Produkte konsumiert (oder wenigstens danach strebt) usw. Die soziale Globalisierung schließlich umfasst die Vereinheitlichung der heutigen Lebensstile, die nur noch um Individualismus und Konsum kreisen.
Zwischen diesen verschiedenen Aspekten der Globalisierung bestehen zweifellos zahlreiche Querverbindungen. Dennoch lässt sich behaupten, dass einzig die ökonomische Globalisierung die anderen Erscheinungsformen bedingt. Denn in einer Marktwirtschaft stellt die Wirtschaft das die Gesellschaft beherrschende Element dar, auch wenn das die Autonomie der übrigen Elemente nicht ausschließt. Will sagen, zwischen den verschiedenen Elementen besteht eine asymmetrische Beziehung in dem Sinne, dass in einer Marktwirtschaft das ökonomische Element das politische bedingt, wohingegen es in den ex-„kommunistischen“ Gesellschaften gerade umgekehrt war, denn dort dominierte die Politik über die Ökonomie. Auf jeden Fall sind die Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen sowohl von Autonomie als auch von Interdependenz bestimmt. Das heisst die Sphären der Kultur, Wirtschaft und Politik sind nicht unabhängig voneinander – selbst in solchen Marktwirtschaften, in denen die Trennung der Sphären augenfällig ist. Wir haben es also mit einem Interaktionsprozess zu tun, bei dem die technische Globalisierung zum einen die wirtschaftliche Globalisierung fördert und andererseits von dieser selbst verstärkt wird, bei dem die politische Globalisierung notwendiger Weise die wirtschaftliche Globalisierung flankiert und bei dem schließlich die kulturelle und die soziale Globalisierung zwangsläufig aus der wirtschaftlichen Globalisierung folgen. Ich will mich daher auf die wirtschaftliche Erscheinungsform – als die bestimmende Komponente der allgemeinen Globalisierung -konzentrieren.
Zunächst müssen wir eine deutliche Trennlinie zwischen den Begriffen wirtschaftliche Globalisierung und Internationalisierung der Marktwirtschaft ziehen. Globalisierung bezieht sich auf eine grenzenlose globale Wirtschaft, wo jeder ökonomische Nationalismus eliminiert ist und die Produktion in dem Sinne internationalisiert worden ist, dass die großen Konzerne sich zu staatenlosen Körperschaften mit Länder übergreifend integrierter Arbeitsteilung gewandelt haben. Internationalisierung hingegen liegt dort vor, wo die Märkte internationalisiert sind, wo also grenzüberschreitend freier Kapital- und Warenverkehr herrscht (bei Wirtschaftsblöcken wie der EU gilt dies auch für die Arbeitskräfte), der Nationalstaat zwar noch existiert und sich mit den multinationalen Konzernen in die Macht teilt, seine Rolle aber zunehmend auf die Sicherstellung eines stabilen Umfeldes für ökonomische Markteffizienz reduziert sieht. In einem solchen System internationalisierter Märkte wird die Wirtschaftspolitik der einzelnen Staaten wie auch die Reproduktion der Wachstumswirtschaft selbst von den grenzüberschreitenden Waren- und Kapitalströmen bedingt. Denn internationale Institutionen wie der Weltwährungsfonds (IWF), die Weltbank oder die Welthandelsorganisation (WHO) folgen nur auf dem Papier den Anweisungen ihrer Mitgliedsstaaten; in Wahrheit vertreten sie die Interessen der transnationalen Wirtschaftseliten – die im übrigen in den großen Marktwirtschaften die maßgebende Rolle bei der Auswahl der politischen Eliten spielen.

 

zurück