George Monbiot:
Retter und Opfer

Je mächtiger eine Nation wird, desto stärker sieht sie sich selbst in einer Opferrolle. In den Augen zeitgenössischer Briten waren die furchtbarsten Gräueltaten des 18. und 19. Jahrhunderts jene, die an ihren Landsleuten im Schwarzen Loch von Kalkutta verübt worden sind, oder jene während der indischen Meuterei und der Belagerung von Khartoum. Als extreme Manifestationen der schweren Bürde des weißen Mannes, wurden diese Ereignisse zum Symbol für die Barbarei und Undankbarkeit der wilden Rassen, die die Briten aus ihrer Dunkelheit zu retten gesucht hatten.
Heute wird der Angriff auf New York diskutiert, als ob er das furchtbarste sei, das irgendeiner Nation in der letzten Zeit zugestoßen ist. Wenige würden abstreiten, dass es sich um eine schwere Gräueltat gehandelt hat, aber man fordert von uns dem amerikanischen Volk eine einzigartige und exklusive Sympathie entgegenzubringen. Nun wird diese Forderung auch auf frühere amerikanische Verluste ausgeweitet.
Black Hawk Down verspricht zu einem der gewinnträchtigsten Filme aller Zeiten zu werden. Wie alle Filme des in Großbritannien geborenen Regisseurs Ridley Scott, ist er fesselnd, intensiv und von einer wunderschönen visuellen Kraft. Und er ist nebenbei eine erstaunliche Falschdarstellung dessen, was sich in Somalia ereignet hat.
Im Jahr 1992 marschierten die Vereinigten Staaten mit guten Absichten in Somalia ein. George Bush Senior verkündete, Amerika sei gekommen um »Gottes Werk« zu verrichten, in einer Nation, die von Klankriegen und Hungersnöten verwüstet war. Aber wie Scott Petersons persönlicher Bericht »Me Against My Brother« zeigt, war die Mission durch das Versagen der Nachrichtendienste, die parteilichen Einsätze und letztendlich, durch den Glauben, dass man eine Nation zum Frieden und Wohlstand bombardieren kann, zum Scheitern verurteilt.
Bevor die US Regierung die Verwaltung Somalia 1993 der UN übergab, hatte sie bereits mehrere fundamentale Fehler gemacht. Sie hatte die Klanoberhäupter Mohamed Farah Aideed und Ali Mahdi gegen einen anderen Kriegsherren unterstützt, und deren Macht verankert, als sie gerade angefangen hatte zu zerbröckeln. Sie erkannte nicht, dass die konkurrierenden Klanchefs bereit waren, Entwaffnungen im großen Maßstab zu akzeptieren, wenn diese unparteilich verlaufen würden. Weit davon entfernt den Konflikt zwischen den Klans zu lösen, verstärkten ihn die USA versehentlich noch.
Nach der Übergabe versuchten die pakistanischen UN-Friedenstruppen Aideeds Radiostation zu erobern, die Anti-UN Propaganda verbreitete. Der Überfall versackte, und 25 Soldaten von Aideeds Unterstützern wurden getötet. Einige Tage später eröffneten pakistanische Truppen das Feuer auf eine unbewaffnete Menge, und töteten Frauen und Kinder. Die Streitmacht der Vereinten Nationen, unter dem Kommando eines U.S.-Admirals wurden in einer Blutfehde gegen Aideeds Milizen hineingezogen.

 

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