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Edo Schmidt:
Demokratische Propaganda
Die »demokratische
Propaganda« nach dem 11. September 2001
Am frühen Nachmittag (MESZ) des 11. September 2001 mußte jeder
und jede, der bzw. die das Fernsehgerät eingeschaltet hatte, mitansehen,
wie Selbstmordattentäter unbekannter Herkunft Jumbo-Jets von amerikanischen
Luftlinien entführten und in die beiden Türme des World Trade
Center (WTC) in New York lenkten. Später gelang es ihnen, eine weitere
Maschine auf das Pentagon stürzen zu lassen, dem Sitz der wichtigsten
militärpolitischen Behörden der USA. Während dieser Zeit
wurden bereits die obersten Staatenlenker der USA in Sicherheit gebracht,
denn es war noch eine vierte entführte Maschine Richtung Washington
in der Luft, die aber bald, ohne ihr Ziel zu erreichen, in einem Waldgebiet
nahe Pittsburgh, Pennsylvania, zerschellte. Und dann war da noch die Autobombe,
die vor dem Gebäude des Aussenministeriums in Washington gezündet
wurde, die aber in der Vielzahl von Horrormeldungen irgendwie »unterging«.
Alle TV-Sender berichteten live über das Geschehen, so dass die allermeisten
Menschen zusahen, wie die beiden Türme des WTC schließlich
in sich zusammenfielen und Tausende von Menschen unter sich begruben.
Sofort folgten stundenlange Sondersendungen auf allen Kanälen
alle unter dem eingeblendeten CNN-Motto: »America under attack«.
Die Kirchgruppe hatte sogar ihre drei Sender SAT1, Pro7 und N24 gleichgeschaltet
und zeigte den ganzen Tag dieses: Während sich im Hintergrund ca.
fünfmal in der Minute die Apocalypse von New York wiederholte, berichteten
links und rechts des »Spektakels« eine Sprecherin und ein
Sprecher von diesem schrecklichen Ereignis. Im Vordergrund liefen zwei
Textbänder in unterschiedlicher Geschwindigkeit, die sonst für
die Börsenkurse reserviert sind. Da aber die Börse sofort nach
den Ereignissen geschlossen werden mußte, wurden auf ihnen nun die
Vorgänge des Morgens (Ortszeit) in zwei Sätzen zusammengefaßt
und zudem pausenlos offizielle Stellungnahmen und Zitate verlautbart.
Das Ereignis wurde so unendlich wiederholt und definiert, bewertet, kommentiert
...
Interessanterweise gab es an diesem Tag keine Werbesendungen mehr, und
im Rundfunk gerieten bestimmte Songs auf den Index, d.h. sie durften nicht
mehr gespielt werden. Die Anteilnahme wurde auf unterschiedlichste Weise
ausgedrückt: Viele Sportveranstaltungen wurden zunächst abgesagt,
und als man am darauffolgenden Samstag wieder Fußball spielen durfte,
hieß es beim FC Bayern statt der sonst üblichen Bandenwerbung:
»Give Peace a chance!«; »Schumis« roter Ferrari
trug eine schwarze »Trauerhaube«; in München wurde sogar
darüber diskutiert, ob man die »Wiesn« heuer einfach
ausfallen läßt. Trauergottesdienste, Schweigeminuten und Gedenkveranstaltungen
reihten sich tagelang aneinander. Die Trauer sollte total sein. Alles,
was irgendwie nach »Spaßgesellschaft« aussah, wurde
»zensiert«. Entsprechend der Kommentar von Peter Scholl-Latour
im ZDF als Experte für alles Islamische: »Das ist das Ende
der Spaßgesellschaft!« Dies sollte nicht sein letzter Irrtum
gewesen sein, aber die Zuschauerinnen und Zuschauer wurden in der Tat
permanent einseitig emotionalisiert - in der ersten Phase der »Rund-um-die-Uhr-Berichterstattung«
besonders intensiv.
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SF 74
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