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Paul Street
Globalisierung von oben nach unten
Das neoliberale Rezept
hinter der US-Zerstörung des Irak
Ein Beispiel aus jüngerer Zeit ist der Irak ein Land, verheert
in weniger als zwei Dekaden durch drei Kriege, zwei US-Invasionen und
das massenmörderische zehnjährige Programm der von den USA aufoktroyierten
Wirtschaftssanktionen. Und während die tödlichste aller Armeen
in der Geschichte ihre indefinitive Besatzung des Landes fortsetzt, teilt,
laut New York Times, der oberste Zivilverwalter der USA im Irak, Paul
Bremer, dem von den USA ernannten irakischen Regierungsrat mit, der Irak
müsse einen Großteil seiner Industrien für ausländische
Investitionen aufhebeln. Laut eines Bremer-Memos an den Rat, so
die Times, muss der Irak eine offene Wirtschaft kreieren,
in einer Region, die mit ihren heimischen Märkten lange Zeit protektiv
verfuhr eine Region, dominiert vom sozialististischen
Wirtschaftsdogma. Der künftige Wohlstand der Nation
werde davon abhängen, wie erfolgreich sie ausländische
Investitionen anlocken (kann). Indem sie ihr sozialistisches
und protektionistisches Vermächtnis überwinden,
so Bremer, eröffnen die Irakis eine neue Lebensader
für eine Ökonomie, die während Saddam Husseins Regime nach
Kapital dürstete auf diese Weise könnten sie ihre
Wirtschaft demokratisieren. Dabei erlaubt der Bremer-Vorschlag,
laut Times, andererseits ausländischen Investoren, ihre Profite
außer Landes zu schaffen, ohne Verpflichtung, ihr Geld (im Irak)
zu reinvestieren. (Richard A. Oppel, Jr., U.S. Seeking Foreign
Investment for Iraq, New York Times, 26. August 2003. A10). Bremers
Memo exemplifiziert das orthodox-neoliberale Rezept für eine globale
Entwicklung bekannt unter dem Namen Washington-Konsens.
Gemäß dieser Formel (mit imperialer Willkür aufoktroyiert
(denn interessanterweise sind die reichsten Nationen von vielen der wichtigsten
Diktate ausgenommen) durch die USA und den von ihnen dominierten Weltfinanz-
und -handelsorganisationen, wie IWF, Weltbank u. WTO) maximiert sich Wachstum,
bei gleichzeitigem Anstieg der Armut, durch den Abbau von Schranken des
freien Kapitalflusses, des Waren-, Währungs- und Dienstleistungsflusses.
Dazu müssen Nationalökonomien einerseits der Disziplin des globalen
kapitalistischen Markts unterworfen werden und sich andererseits für
dessen Möglichkeiten öffnen.
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SF 76
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