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Naher Osten
Ferner Westen
Der Israel/PalästinaKonflikt und die Linke in
der BRD
»Solidarität mit Israel heißt nicht automatische Affirmation
ihrer Regierungs- bzw. Militärpolitik. Es gibt Zeiten, in denen der
radikale Protest gegen die israelische Politik sich als tiefste Solidaritätsbekundung
mit Israelis und Palästinensern in diesem ihrem unseligen Konflikt
erweisen mag. Eine solche Zeit ist die gegenwärtige«
(Moshe Zuckermann).
Die israelische Linke unter antideutschem Beschuss.
In der Forderung nach einer unbedingten Solidarität2 mit dem Staat
Israel findet ein solcher Beschuss als paternalistische und bevormundende
Reaktion durch die antideutsche Linke statt. Denn die vermeintlichen Freunde
Israels halten nichts von einer israelischen Friedensbewegung, die den
Zionismus kritisiert, einen Staat Palästina anerkennen möchte
und in Frieden und Ausgleich mit den PalästinenserInnen leben möchte.
In einem Flugblatt3, das im Eingangsbereich der Roten Flora während
einer Podiumsveranstaltung mit drei jüdischen Israelis aus der Friedensbewegung
verbreitet wurde, wurde beklagt, dass die Veranstaltungsreihe lediglich
darstelle, was in den eigenen antizionistischen Kram passen würde,
»natürlich auch den unvermeidlichen Uri Avnery, der sich nicht
zu schade ist, im Zentralorgan des deutschen Antisemitismus, der Jungen
Welt« zu schreiben. Mal abgesehen von der Unverfrorenheit, als Antideutsche
Linke die jüdischen VertreterInnen aus Israel über ihre Kollaboration
mit dem Antisemitismus aufklären zu wollen, ist vor allem das Zitat
über Uri Avnery4 entlarvend.
Uri Avnery und andere jüdische KritikerInnen israelischer Machtpolitik
werden in Antideutschen Publikationen als Abweichler an der jüdischen
Sache, die dem Antisemitismus das Wort reden sollen, denunziert. Eigener
Antisemitismus wird bei Antideutschen hierbei nicht mehr wahrgenommen
und wird schon durch die eigene politische Positionsbekundung ausgeschlossen.
Wer gegen Antisemitismus ist, kann vor dieser Logik kein Antisemit sein.
Gegen Antisemitismus zu sein wird so lediglich zur Frage des Wollens,
des Bekenntnisses gemacht und damit aus der historischen, gesellschaftlichen
Dialektik gelöst. Es gibt aber keine einfachen Antworten, wir selbst
sind Teil des Problems.
Ein Ausflug in die kritische Auseinandersetzung mit Sexismus und Rassismus
wäre da angebracht. Wurde dort doch schon lange erkannt zumindest
in autonomen Zusammenhängen , dass die Verneinung eigener Eingebundenheit
in Unterdrückungsverhältnisse nur zu deren Fortbestand beiträgt.
Wer den Nahost-Konflikt für einseitige Parteinahme missbraucht, um
sich vom Nationalsozialismus der Väter und Mütter reinzuwaschen,
trägt zum Fortbestand des Konfliktes bei. Über einen äußeren
Feind, von dem sich abgrenzt wird und den es zu bekämpfen gilt, werden
eigene Antisemitismen nicht hinterfragt, sondern verleugnet. Wer seine
Identität über den Konflikt bestimmt, für den würde
die Beendigung des Konfliktes die eigene Zuordnung zur »guten Seite«
infragestellen. In einer solchen Weltsicht braucht die Antideutsche Linke
paradoxerweise den Konflikt, die SelbstmordattentäterInnen, die toten
PalästineserInnen und Israelis zur Aufrechterhaltung der eigenen
politischen Identität.
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